Guadelupe ist unter den Marienerscheinungsorten nicht so bekannt wie Lourdes oder Medjugorie, ist aber dennoch der größte Marienerscheinungsort auf der Erde. Über 20 Millionen Pilger kommen jährlich nach Guadelupe.
Es ist eine besonders liebevolle Geschichte, die zeigt, mit welch großer mütterlicher
Liebe hier Maria Juan Diego begegnet.
An einem Samstag machte sich Juan Diego früh morgens auf, um an einer Messe zu Ehren seiner himmlischen Mutter und Königin teilzunehmen. Auf dem Weg dorthin vernahm er plötzlich von oben her einen wunderlieblichen Gesang. Er hielt diesen zunächst für Vogelgesang, als er aber in Richtung dieses zarten Klanges blickte, sah er eine lichte Wolke, die immer näher kam. Der Lichtglanz dieser Wolke wurde immer stärker, es gingen Strahlen in den Farben des Regenbogens von dieser Erscheinung aus. Er war sich nicht sicher, ob er auf diese Erscheinung zugehen soll oder nicht, als er eine liebliche, weibliche, mütterliche Stimme in seiner Sprache vernahm: "Juanito! - Juan Dieguito", rief Sie ihm liebevoll zu "Höre, Juanito, Mein liebstes kleines Söhnchen, wohin gehst du?" er entgegnete Ihr: "O edle Dame, ich bin auf dem Weg zur Kirche nach Tlatilolco zur Heiligen Messe.", worauf Sie erwiderte "Wisse, Mein liebstes Söhnchen, daß Ich die makellose und immerwährende Jungfrau Maria bin, die Mutter Des wahren Gottes durch Den alles lebt, Des Herrn aller Dinge, welcher Der Herr über Himmel und Erde ist. Es ist Mein inniger Wunsch, daß man Mir hier ein teocalli (ein Gotteshaus) baue, wo Ich Meine ganze Liebe, Mein Mitleid und Erbarmen, Meine Hilfe und Meinen Schutz den Menschen erweisen und schenken will. Ich bin eure erbarmungsreiche Mutter, die Mutter aller Menschen, all jener, die Mich lieben, die zu Mir rufen, die Vertrauen zu Mir haben. Hier will Ich auf ihr Weinen und ihre Sorge hören und will ihre Leiden, ihre Nöte und ihr Unglück lindern und heilen.
Und damit Ich Meine Absichten verwirklichen kann, gehe zu dem Haus des Bischofs in der Stadt Mexiko und sage ihm, daß Ich dich gesandt habe und daß es Mein Wunsch ist, daß hier ein teocalli gebaut werde. Sage ihm was du gesehen und gehört hast. Sei versichert, daß Ich Mich sehr dankbar erweisen und dir alles vergelten werde, wenn du mit Sorgfalt ausführst, worum Ich dich gebeten habe. Nun, da du Meine Worte gehört hast Mein Sohn, geh und tue alles was du tun sollst."
Diego versprach alles zu tun, verbeugte sich und machte sich auf nach Mexiko.
Vor der Bischöflichen Residenz angelangt, gelang es Juan Diego zunächst nicht
von den Dienern des Bischofs eingelassen zu werden. Erst nach langem Drängen
wurde er eingelassen.
Als Juan Diego dem Erzbischof treulich alles das übermittelte, was ihm die Liebe
Frau aufgetragen hatte, wollte ihm der Bischof keinen Glauben schenken.
Traurig ging Juan Diego wieder nach Hause.
Am nächsten Tag ging er frühmorgens wieder zu der Stelle, an der er die Liebe
Frau gesehen hatte. Er erblickte wieder diese glänzende Wolke und in dieser
die Liebe Frau, die ihn zu erwarten schien. Er warf sich vor Ihr nieder und
berichtete Ihr in Demut und kindlicher Einfalt, was er bei dem Bischof erlebt
hat, er bat Sie, daß Sie sich doch jemand anderen, besseren aussuchen sollte,
nicht ihn, da er doch ein armer, einfacher Mensch sei. Die Liebe Frau antwortete
ihm: "Höre, Mein liebster Sohn, und wisse, daß Ich viele Diener und
Boten habe, die Ich mit der Überbringung Meiner Botschaft beauftragen könnte.
Doch es ist ganz und gar notwendig, daß du derjenige sein sollst, der diese
Mission ausführt und daß durch deine Vermittlung und deine Hilfe Mein Wunsch
erfüllt werden soll. Ich bitte dich dringend, morgen wieder zum Bischof zu gehen.
Sage ihm in Meinem Namen und lasse ihn ganz genau Meine Anordnung verstehen,
daß er die Errichtung des Gotteshauses, worum Ich bitte, ausführen soll. Wiederhole
ihm, daß Ich persönlich es bin, die immerwährende Jungfrau Maria, Die Mutter
Gottes, Die dich sendet." Darauf entgegnete Juan Diego: "Heilige
Herrin, ich will Dich nicht enttäuschen. Auf Deinen Befehl will ich gerne noch
einmal hingehen, auch wenn man mir erneut nicht glauben wird. Morgen bei Sonnenuntergang
will ich hierher zurückkehren und Dir über die Antwort des Bischofs Bescheid
geben."
Am darauf folgenden Morgen machte sich Juan Diego auf zum Bischof, nachdem
er an der Heiligen Messe teilgenommen hatte. Auch diesmal wollten die Diener
des Bischofs ihn nicht einlassen. Sie ließen ihn lange warten bis er endlich
zum Bischof geführt wurde. Dort erzählte er dem Bischof von der zweiten Erscheinung
und bat ihn unter Tränen, dem Wunsch der Lieben Frau nachzukommen. Der Bischof
blieb hart, und schenkte ihm keinen Glauben, es schien ihm zu widerstreben,
daß die allerseligste Jungfrau Maria ausgerechnet diesem erscheinen sollte.
Er sagte zu Diego, daß er von dieser wunderbaren Frau ein sicheres Zeichen haben
möchte, daß er erkennen kann, daß es sich bei dieser sonderbaren Erscheinung
wirklich um die Mutter Gottes handelt.
Diego machte sich wieder auf. Es folgten ihm Diener des Bischofs, die dieser
Juan Diego nachgesandt hat, um ihn zu beobachten. Jedoch verloren die Diener
am Fuße des Felshügels, am Ort der Erscheinung, Diego aus den Augen. Die Erscheinung
wartete schon auf Juan Diego. Dieser erzählte der Lieben Frau alles, was der
Bischof gesagt hatte. Sie bedankte sich bei Diego mit liebevollen Worten und
bat ihn, daß er sich am nächsten Tag wieder hier an diesem Ort einfinden solle,
damit der Bischof sein Zeichen bekommen kann. Diego versprach Ihr zur verabredeten
Zeit wieder hier zu sein.
Als er zu Hause ankam, fand er seinen Onkel, Juan Bernardino, schwer krank im
Bett liegen. Der Dorfarzt konnte seinem Onkel nicht helfen. Da der Onkel seinen
Tod vor Augen hatte bat er Juan Diego darum, am nächsten Morgen so früh als
möglich nach Mexiko zu gehen, um einen Geistlichen zu holen, damit dieser dann
die Buße abnehmen und die Sakramente spenden könne.
Am folgenden Tage eilte also Juan Diego in die Stadt, um einen Geistlichen
zu holen. Er nahm einen anderen Weg in die Stadt, da er bei sich dachte, daß
er an dem Erscheinungsort wieder die Liebe Frau treffen würde. Er hatte aber
bedenken, daß dann der Geistliche zu spät kommen würde und der Onkel bis dahin
schon verstorben sei.
An einer bestimmten Stelle angekommen, sah er die Frau von dem Hügel herabkommen
und sich ihm auf dem Wege nähern. Er wußte nicht, was er tun sollte, als er
Ihre Stimme vernahm: "Was ist geschehen Mein Söhnchen? Wohin gehst Du?",
fragte Sie ihn mit lieblicher Stimme, worauf er antwortete: "Edle Herrin,
es wird Dich betrüben zu hören, was ich zu sagen habe. Mein Onkel, Dein armer
Diener, ist sehr krank. Er leidet an hohem Fiber und liegt im Sterben. Ich eile
zur Kirche in der Stadt Mexiko, um einen Priester zu holen, der ihm die Beichte
hören und die Sterbesakramente spenden soll. Wenn ich das getan habe, werde
ich unverzüglich zurückkommen, um Deinen Auftrag auszuführen. Bitte vergib mir
und habe Geduld mit mir. Ich will Dich nicht betrügen. Ich verspreche Dir getreulich,
morgen in aller Eile hierher zu kommen."
Maria blickte ihn liebevollst an und sprach zu ihm: "Höre und laß es in Dein Herz dringen, Mein liebstes kleinstes Söhnchen, nichts soll dich erschrecken, nichts dich betrüben, nicht soll sich dein Antlitz, dein Herz verfinstern. Fürchte nicht diese Krankheit, noch irgendeine andere Krankheit oder einen Kummer, einen Schmerz. Bin Ich denn nicht hier, Deine Mutter? Bist du denn nicht in Meinem Schatten, unter Meinem Schutz? Bin Ich nicht der Brunnen deiner Freude? Bist du nicht in den Falten Meines Mantels, in der Beuge Meiner Arme? Brauchst du noch mehr als das?
Laß dich wegen der Krankheit deines Onkels nicht beunruhigen, denn er wird an diesem Übel nicht sterben. Gerade jetzt, in diesem Augenblick, ist er geheilt." Juan Diego wurde dann von Ihr geheißen an den Ort zu gehen, nämlich "zu der Stelle, wo du Mich zuvor gesehen hast. Dort wirst Du viele Blumen wachsen sehen. Pflücke sie sorgfältig, sammle sie und bringe sie dann her zu Mir und zeige Mir was du hast."
Er pflückte, an jener Stelle angekommen, so viele Blumen, wie sein Mantel fassen konnte. Es waren verschiedenste Blumen, die köstlich dufteten und ein leichter Tau bedeckte die Blüten. Damit kehrte er wieder zurück zu der Jungfrau Maria, die an einem Baum auf ihn wartete. Sie ordnetete die Blumen sorgfältig mit Ihrer eigenen Hand und sagte zu ihm: "Mein Söhnchen, diese verschiedenartigen Blumen sind das Zeichen, das du dem Bischof bringen sollst. Sage ihm in Meinem Namen, daß er daraus Meinen Willen erkennen soll und ihn erfüllen muß. Du sollst Mein Botschafter sein, der Mein ganzes Vertrauen verdient. Ich befehle dir, die Tilma nicht zu öffnen, ihren Inhalt nicht zu enthüllen, als erst in seiner Gegenwart. Dann sage ihm alles. Schildere, wie Ich dich nach oben auf den Hügel geschickt habe, wo du diese Blumen in verschwenderischer Fülle fandest, darauf wartend, gepflückt zu werden. Erzähle ihm erneut alles, was du hier gesehen und gehört hast, um ihn anzutreiben, Meinen Wünschen nachzukommen und das Gotteshaus hier zu bauen, wie Ich gebeten habe."
Juan Diego machte sich auf nach Mexiko zur Bischöflichen Residenz. Die Diener
des Bischofs waren an diesem Tage noch weniger gewillt Juan Diego einzulassen,
da der Bischof besonders hohen Besuch hatte und sie diesen Besuch nicht mit
dem Anblick eines solchen "Bettlers" beleidigen wollten. Doch Diego
lies nicht locker. Die Diener wollten wissen, was er wohl in seinem Mantel habe,
doch Diego ging nicht darauf ein und ließ keine Ruhe bis er endlich zum Bischof
eingelassen wurde.
Als Juan Diego vor dem Bischof stand und vor dem Besuch von hohem Adel, darunter auch der neue Gouverneur, Bischof Don Sebastian Ramirez y Fuenteal, ließ er den Mantel fallen. Die Blumen fielen auf den Boden und es bildete sich auf der Tilma ein Bild, es war das Bild von der Jungfrau Maria, genau so, wie sie Juan Diego erschienen ist, in kräftig leuchtenden Farben und von einer überirdischen Schöhnheit, die alle Anwesenden sehr stark berührte. Sie knieten vor dem Bild nieder, wohl sehr stark gerührt in ihren Herzen.
Der Bischof fragte Juan Diego, wo denn die Gottesmutter wünscht, daß die Kapelle gebaut würde. Juan Diego beschrieb ihm den Ort, nämlich der Ort, an dem ihm die Gottesmutter erschienen ist. Der Bischof ließ sofort veranlassen, daß an jenem Ort zunächst eine Kapelle gebaut werde und später dann noch eine größere Kirche, wenn die Pläne dazu fertig gestellt wurden.
Juan Diego erzählte dem Bischof auch von seinem Onkel, der von Maria geheilt
wurde, und daß er - Juan Diego - ihn gerne Besuchen wolle. Der Bischof bestand
aber drauf, daß Juan Diego für diese Nacht in der Residenz bleiben soll, am
nächsten Tag ließ der Bischof Juan Diego mit einem Ehrengeleit zu seinem Onkel
ziehen.
Der Onkel berichtete, daß er sich, nachdem sich Juan Diego aufgemacht hatte, sehr schwach gefühlt und sich sicher war, daß nun seine letzte Minute auf Erden gekommen sei. In diesem Augenblick wurde der Raum mit übernatürlichem Licht durchflutet und es erschien ihm eine wunderschöne Dame, die Frieden und Liebe ausstrahlte. Juan Bernardino fühlte sich in diesem Augenblick geheilt, er erhob sich aus dem Bett und fiel vor der Erscheinung auf die Knie. Maria erzählte ihm alles, was sich mit Juan Diego zutragen wird und wozu Sie ihn gesandt hat. Sie sagte ihm auch, wie Sie in Zukunft benannt werden soll, nämlich als "Die immerwährende Jungfrau, die Heilige Maria von Guadelupe." Als Bischof Zumárraga davon erfuhr, war er erstaunt, da es in Spanien einen Marienwallfahrtsort gab, mit genau demselben Namen. Es ist jedoch auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen, da der damalige Dolmetscher wohl ein Wort gewählt hat, daß dem Wort phonetisch ähnlich klingt. (hier mehr).
Am nächsten Tag wurde das "Wunderbild" in einer großen Prozession
in die Kathedrale getragen. Rasch breitete sich die Nachricht von diesem wunderbaren
Bild aus und es strömten viele Menschen herbei, das Bild zu sehen.
Bald war die Kapelle fertig und das Bild wurde in diese übertragen. Es fanden
zahlreiche Wunder statt und viele Gebete wurden erhört.
1695 wurde der Grundstein für eine Wallfahrtsbasilika gelegt und am 1. Mai 1709
wurde sie fertiggestellt. Sie steht noch heute mußte jedoch geschlossen
werden, da die Basilika in den Boden eingesunken ist und Einsturzgefahr besteht.
Direkt neben der alten Basilika wurde eine neue Basilika erstellt, ein mächtiger
Rundbau, der für 10.000 Menschen Sitzplätze bietet. 1976 wurde das
wundersame Bild aus der alten in die neue Basilika übertragen.
Ganz Mexiko weihte sich feierlich der Lieben Frau von Guadelupe.